Die "Nettetaler Tafel" und ihre Arbeit
von Hermann Hecker
Samstagmittag in Lobberich an der Ecke Werner-Jaeger- Straße und Wevelinghover Straße am Ende des alten Sportplatz, dort sitzen einige Frauen mit ihren jüngsten Kindern auf dem spärlichen Rasen und unter-halten sich. Ein Wagen biegt um die Ecke und hält vor dem unscheinbaren Hofeingang der früheren Gaststätte. Die Frauen sehen den Wagen, springen auf, winken, kommen schnell näher, und im Nu ist das Auto von Frauen und einem Dutzend Kindern umringt, einige Männer kommen hinzu. Ein freundliches Hallo der Gruppe zu Fahrer und Beifahrer, die ausgestiegen sind, die schon länger nicht mehr in das schäbige alte Haus hineingehen müssen, um zu rufen: "Die Tafel ist da mit Backwaren! Brot, Brötchen, Kuchen!" Die Mitarbeiter der "Nettetaler Tafel" werden schon erwartet, nicht nur am Samstag, wenn es Backwaren gibt, sondern auch am Montag, Mittwoch und Freitag, wenn mit einem alten Lieferwagen andere Lebensmittel gebracht und verteilt werden. Was, das ist ganz unterschiedlich, denn es hängt davon ab, was die 7 Lebensmittelmärkte vorher den Leuten der Tafel gegeben haben. Mal ist es viel Obst, manchmal Milch, Wurst, Gemüse, Käse, mal ist es viel, manchmal weniger, aber immer sind es Sachen, die kurz vor dem Verfalls-datum stehen und bei den Märkten aussortiert und weggeworfen würden, wenn nicht die "Tafel" käme, um die Sachen abzuholen und an bedürftige Menschen zu verteilen.
Während die Frauen an der Werner-Jaeger-Straße Brot und Brötchen für die Familie bekommen, warten die Kinder sehnsüchtig darauf, ein Teilchen oder ein Stück Kuchen auf die Faust zu bekommen, das dann sofort vertilgt wird. Auch das hängt davon ab, was die 7 Bäcker, die zur Zeit Waren an die "Tafel" geben, zur Verfügung stellen können. Die Freude der Menschen, das Strahlen der Kinder und das ehrliche Dankeschön sind für die Mitarbeiter der "Tafel" der beste Lohn für ihre ehrenamtliche Tätigkeit, und dies erfahren sie an allen Stellen, die auf einer Tour angefahren werden.
Inzwischen haben diese Erfahrung schon rund 20 Mitglieder der "Nettetaler Tafel", die an einer Tour teilge-nommen haben, machen können. Zunächst hatten alle ein etwas klammes Gefühl, wie es gehen würde, was sie erwartet, wie mit den Menschen umzugehen ist, denen man Hilfe anbietet. So ging es auch mir als dem Vorsitzenden der "Nettetaler Tafel" vor der allerersten Fahrt, die ich am 16. April mit dem einzigen Mitglied mit "Tafelerfahrung", Herrn Panhuizen, unternahm. Und es war so einfach. Die Menschen in den Märkten waren so entgegenkommend und freundlich, hilfsbereit und aufgeschlossen, die Menschen, zu denen wir fuhren, die uns die Ämter der Stadt genannt hatten, waren so überrascht, glücklich und dankbar. "Jetzt glaube ich daran, dass es Wunder gibt!" flüsterte einer der Kunden fassungslos.
Unsere Kunden, das sind Asylbewerber ebenso wie alleinerziehende Mütter oder ältere Menschen, die von der Sozialhilfe leben, Menschen die dafür dankbar sind, dass sie Lebensmittel bekommen, die sie nicht bezahlen müssen. Zur Zeit sind es bis zu 150 Menschen in Nettetal.
Unsere Sponsoren, das sind Geschäftsleute, die Lebensmittel lieber für Bedürftige abgeben als sie wegzuwerfen. Und sie müssen nicht erst gesehen haben, wie Menschen sich die weggeworfenen Lebensmitteln aus den Containern herausholen.
Unsere Mitarbeiter, das sind Menschen, die sehen, dass es auch in unserer Gesellschaft Bedürftigkeit und Armut gibt und die "Schuld" daran nicht einfach den Betroffenen selbst zuschieben; das sind Menschen, die es nicht ertragen können, dass gut verwendbare Lebensmittel einfach weggeworfen werden, und es sind Menschen, die sich gerne für eine sinnvolle Sache engagieren, etwas von ihrer freien Zeit zu Verfügung stellen.
Was wir brauchen? Unterstützung durch Menschen, die sich von der Idee der "Tafel" anstecken lassen, die mitarbeiten wollen (eine Tour dauert etwa 3 bis 4 Stunden), damit die Belastung für den Einzelnen nicht zu groß wird, die finanzielle Hilfe leisten durch Mitgliedsbeiträge (30 Euro im Jahr) oder Spenden oder auch durch Sponsoring, denn die Tafel hat durch Spritkosten, Versicherungen etc. auch Unkosten.
Wenn Sie helfen wollen, dann können Sie sich wenden an Christl und Hermann Hecker, Hermann-Lueb-Str. 15 in Kaldenkirchen, Tel. 02157-6581 oder 0172-2088183 und 0172-2088184. Sie finden uns auch im Internet unter www.nettetaler-tafel.de .
Hermann Hecker
































